Sonntag, 7. Juli 2013

I'm an Englishman in New York

<<I'm an alien
I'm a legal alien
I'm an Englishman in New York>>

Kommt dir das auch manchmal so vor?

Wie der "Englishman in New York" der lieber Tee statt Kaffee trinkt, so fühle ich mich manchmal als Veganerin.

"Frieden ist Respekt vor dem Anderssein anderer."

Eine kleine Geschichte, nennen wir sie einfach mal "Smoothie vs. Leberkäs-Semmel".

Mich ärgert es einfach, dass Veganer meistens als diejenigen dargestellt werden, die sich in den Vordergrund drängen, andere aufklären bzw. ihnen Gespräche aufzwängen, und und und!

Ich beispielsweise bin "im echten Leben" - außerhalb dieses Blogs - die absolut ruhige, im Hintergrund stehende Veganerin, die nur selten ihren Mund auf macht. Oder nur dann, wenn sie gezielt nach etwas gefragt wird.
Beispiel: Wenn mir ein Vegetarier sagt, dass er vom Käse nicht weg kommt - dann verweise ich natürlich gerne auf die Alternativen von Wilmersburger!

Weder nerve ich die Leute, noch laufe ich, wie in einer Sekte, mit Beitrittsbögen zum Veganismus umher. Außer natürlich bei diversen Veranstaltungen, demnächst auf dem Greentunes :) :) :)

Spaß bei Seite:
Ich versuche mich wirklich zusammen zu reißen, niemandem auf den Senkel zu gehen und den Veganismus nicht in den Vordergrund meines Lebens zu drängen.

Deshalb treffe ich mich auch weiterhin total gerne mit meinen Fleisch essenden Freunden und genieße dies total - da geht es dann um gaaaanz andere Dinge und Themen und das ist auch gut so. Jeder Veganer braucht mal "frei" finde ich.
Wisst ihr was ich meine?

Aber natürlich gehört der Veganismus dazu. Sogar sehr. Weil er das vegan werden mein Leben komplett umgekrempelt hat! Und da ist es doch normal, dass man voller Überzeugung und mit viel Hintergrundwissen für "seine" Sache kämpft und sie verteidigt.

Wieso muss ich mich für meinen grünen Smoothie "rechtfertigen", während andere Ekel-Fleish vom "Metzger des Vertrauens" in Form von Leberkässemmeln, Weißwürsten und Kalbsleberwurst essen?
Weshalb kann ich nicht einfach akzeptiert werden wie ich bin? Warum heißt es, ich würde an Fleisch essenden Menschen im Umfeld rumnörgeln - während es doch meist genau andersrum ist?

<<Frieden ist Respekt vor dem Anderssein anderer>> - so würde ich es mir wünschen! Aber immer wieder kommt die Frage auf - auch nach knapp 2 1/2 Jahren vegan leben:

Bin ich doch der Alien?
Oder einfach nur diejenige, die richtig entschieden hat?

Wie siehst du das alles? Bist du machmal der "Englishman in New York"?
Ich freue mich auf deinen Kommentar!

xoxo & smoothie
Claudi

Kommentare:

  1. Hallo Claudi!
    Ich kann das alles unterschreiben, was Du sagst: Ich fühle mich auch sehr oft als "Englischman in N.Y.", und genauso, wie Du schreibst, thematisiere ich mein Veganes Leben nicht selber sondern die anderen, so dass ich sehr unfreiwillig zum "Alien" gemacht werde.

    Ähnlich wie Du, versuche ich meine Gedanken & Wünsche etc. zu einem veganen Leben über meinen Blog oder Facebook etc. "loszuwerden" und eben im Alltag bzw. in der nicht-virtuellen Welt das Thema eher im Hintergrund zu lassen.
    Aber diesen Spagat finde ich offen gesagt auch oft sehr schwierig, denn ich habe manchmal das Gefühl, dass ich in "Parallelwelten" lebe. Online in den diversen Foren, auf meiner Facebookseite und mit meinem Blog etc. habe ich den Eindruck, dass es schon so viele andere Menschen gibt, die genauso wie ich denken. Das macht mich glücklich, vor allem, weil ich mich dann nicht mehr als "Alien" fühle.

    Kaum bin ich aber offline, habe ich das Gefühl, dass von dem, was ich online mitbekomme, überhaupt noch nichts angekommen ist...sprich, dort bin ich wieder der Außenseiter.

    Vor Kurzem hat aber eine liebe Omni-Freundin im Biergarten (also sprich: in der Realität und offline!!) zu mir gesagt:
    "Ja, Du bist ziemlich extrem. Aber das ist auch gut so, weil wenn es solche Leute, wie Dich nicht geben würde, dann würde sich auch nichts ändern.".
    Und in solchen Momenten bin ich dann auch wieder ein klein bisschen stolz, ein Alien zu sein....!! ;-)

    LG, Greensoul

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  2. Die Anwesenheit eines Veganers oder Vegetariers ist für die meisten Fleischesser eine Erinnerung daran, daß sein Konsum nicht richtig ist. Er möchte daran nicht erinnert werden und weiter wegschauen, was ihm ja nicht möglich ist wenn einer da ist dessen Anwesenheit ihn erinnert. Und im Mittelpunkt steht man ja schon durch die reine Existenz, wenn man der einzige Veg ist. In der von Schnitzeln verklärten Erinnerung hat man sich dann in den Mittelpunkt gedrängt. Ich habe noch nie einen Veganer gesehen der sich aktiv in den mittelpunkt stellt.

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  3. Ja, das kommt mir bekannt vor. Alleine meine Anwesenheit, und alleine die Tatsache daß ich mein Obst, Gemüse oder Smoothie ohne große Worte auspacke und genieße, scheint manchmal als Provokation zu reichen. Ich frag die anderen ja auch nicht warum sie ihr Ekelfleisch essen. Warum also werde immer nur ich gefragt, genervt und manchmal blöd angemacht deswegen?
    Ich versuche drüber zu stehen und nicht zu reagieren.... Hab keine Lust mich für meine Essgewohnheiten zu rechtfertigen, vor allen Dingen daß die Meisten sich ja eh nicht dafür interessieren, sondern nur meckern und nörgeln wollen

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  4. Hmm... Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen hatte ich bisher noch nie Schwierigkeiten. Vor etwas mehr als zwei Jahren, als ich vegan wurde, war für mich alles noch neu und so ebenfalls für mein Umfeld, welches aber sehr interessiert und unterstützend reagiert hat (es gab keine anderen Veganer/innen und Vegetarier/innen). Für mich ist vegan sein nun selbstverständlich und für mein Umfeld ist es ebenfalls selbstverständlich, dass ich vegan bin. Freunde und Bekannte sind sehr aufmerksam (wir wählen Restaurants, die vegane Speisen bieten; wir kochen vegan zusammen; bei Geburtstagspartys usw. bereiten sie mir sogar extra etwas vor) und viele probieren auch immer wieder interessiert die Dinge, die ich esse. Aber auch dann fühle ich mich nicht wie ein Alien, das eine fremde Kultur bringt, sondern es ist ein Teil unseres Zusammenseins und Austauschs miteinander. Manche Leute, die ich neu kennen lerne, reagieren manchmal irritiert und mit den typischen Fragen nach Eiweiß usw., aber nicht abwertend. Ein Typ hat sich allerdings mal ziemlich albern verhalten, als ich ihm einen veganen, glutenfreien, mit Reissirup gesüßten Keks angeboten habe. Er wollte den Keks gar nicht erst probieren und benahm sich so, wie ich mich wohl verhalten würde, wenn mir jemand einen Keks aus Fleisch anbieten würde - total angewidert. Er hat den Keks dann doch probiert und ein winziges Stück abgebissen, dann aber den restlichen Keks sofort an seine Freundin weitergegeben. Sie hat ihn einfach gegessen und er hat ihr geschmeckt.

    Einmal habe ich etwas echt Seltsames mit einem Vegetarier, ein Bekannter von einem Bekannten, erlebt. Der Vegetarier hatte vorgeschlagen, zusammen Nudeln mit Käsefüllung zu essen, ich habe mit dem Hinweis darauf Veganerin zu sein abgelehnt und mir eine Alternative überlegt. Der Typ kannte mich nicht, viel mehr als die Worte: "Nee, ich bin Veganerin. Lass uns doch z.B. ... essen. Ich kann mir sonst auch was Eigenes machen", hatte ich nicht mit ihm gewechselt. Er hat dann angefangen, mich massiv zu beschimpfen. Veganer müssten immer missionieren und seien heuchlerische Personen, vegan sein löse auch keine Probleme und alle echten Probleme seien mir gleichgültig, es sei ein natürlicher Teil des Lebens, Tierprodukte zu konsumieren usw. Ich war völlig perplex über seinen Monolog. So voll von Projektion, Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen.
    Der Typ ist Buddhist und redet viel über seine spirituellen Erkenntnisse. Auch der Vegetarismus ist ihm sehr wichtig und für ihn ein Zeichen, dass er schon weit gekommen ist, was er auch immer wieder gerne betont. Ich hatte den Eindruck, dass Buddhismus und Vegetarismus für ihn besondere Überlegenheit bedeuten - welche er nun als bedroht empfunden hat. War auf jeden Fall eine irritierende, aber extrem spannende Begebenheit.

    LG, Layla

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  5. Der "Englishman in New York" - Vergleich passt wie die Faust aufs Auge.
    Ja, ich ffühl mich auch manchmal wie ein Alien - wie ein seltsamens Wesen, was einfach nicht zu den anderen passt. Ich disskutiere gerne über dieses Thema, die Disskusion startet aber seltenst von mir aus - und dann auch noch vorgehalten zu bekommen, dass man extrem, intolerant o.Ä wäre. lässt mich nur noch den Kopf schütteln "Leute, wenn ihr das nicht hören wollt, dann fangt doch keine Disskusion mit mir an".
    Daher habe ich mir, ähnlich wie Greensoul, ne Art zweites Leben im Netz erstellt in Foren, Blog etc. Immer wiederkehrende Disskusionen, Belustigungen oder Anfeindungen zehren an den Nerven - das Verständnis anderer Personen im Netz (oder vereinzelt auch im Privatleben) hilft mir da unheimlich weiter; ich bin keine Außerirdische, ich bin nur ne Veganerin.

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  6. Wenn ich dieses Lied höre, denke ich auch immer an das Vegan-Sein. Wir sind Aliens, aber wir sind die "Normalen" !
    Ich bin gestern durch ein Kaff spaziert, in welchem sich ein Bauernhof bzw. Stall an den nächsten reiht, bei schönstem Wetter lagen die Kühe angebunden im Stall und ich konnte ihre Blicke nicht ertragen, auch wenn ich vegan lebe muss ich doch an dem Leid was ändern können !
    Aber wie ?
    Auch wenn ich jetzt noch weinen muss wenn ich an die Blicke der Kühe denke, bin ich stolz darauf, vegan zu sein, denn wegen mir leiden die armen Kühe wenigstens nicht. Auch wenn das nicht reicht, ich habe das Gefühl, man muss noch mehr dagegen tun.
    Wenn man das Unrecht sieht und erkennt, muss man doch auch was dagegen tun.
    Das passt zwar nicht ganz zum Thema, aber an solchen Situationen erkennt man, dass der Veganer der "Normale" ist, denn ein Veganer kommt hoffentlich nie auf die Idee, dies einem Lebewesen anzutun.

    LG Martina

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  7. Hallo Claudi,

    meine These dazu in Kurzform: die anderen (also die Nekrovoren) greifen Dich an weil Ihnen durch Deine pure Existenz und Anwesenheit aufgezeigt wird das Sie sich unethisch ernähren. Unterbewusst ist Ihnen das klar und statt die entstehende Dissonanz konstruktiv zu nutzen gehen sie in Abwehr, Blockade oder eben gar in Angriff über.

    Ach Mist, gerade habe ich den Gedankengang in den Kommentaren obendrüber wiedergefunden; ich hätte sie doch vorher alle in Ruhe lesen sollen. Egal, doppelt gemoppelt hält besser. :-D

    Schöne Grüße

    Atreju

    Weil sie so denken und so sind wie das was sie essen...

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  8. Hallo allerseits,

    ich wollte nur mal DANKE für eure spannenden und interessanten Kommentare sagen.

    Liebe Grüße,
    die Claudi

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  9. Hallo Claudia,

    du sprichst mir aus dem Herzen.
    Ich fühle mich auch oft wie ein Alien - und wenn ich schlecht drauf bin wie ein Freak ;o).
    Auch wenn ich natürlich davon überzeugt bin, dass ich mit meiner Überzeugung richtig liege...

    Im Freundeskreis wurde ich schon übelst angegangen und als "verlogen" beschimpft, weil ich Käseersatz und vegane Würstchen esse. Die kapieren nicht, dass ich nicht vegan bin, weil ich den Geschmack von Fleisch nicht mag.
    Meine Familie meint, das wäre eine neue Spinnerei von mir und belächelt mich milde.

    Andererseits habe ich dann wieder Menschen um mich, die interessiert und neugierig sind. Die zu mir zum Kochen kommen, um vegane Küchengeheimnisse zu erfahren. Oder ich bekomme Einladungen und für mich wird extra vegan gekocht bzw. gebacken. Ohne großes Tamtam wird mein "Anderssein" akzeptiert.
    Ich bin auch niemand, der von sich aus das Thema auf den Tisch bringt. Aber wenn Interesse da ist, teile ich gerne mein Wissen.

    Um zu verstehen, wie dieser ganze Massen-Wahnsinn funktionieren kann, möchte ich gerne das Buch "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" empfehlen.
    Bleibt nur zu hoffen, dass die Scheuklappen und die Ignoranz irgendwann verschwinden...

    Herzliche Grüße!

    U.

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  10. Neue Wege enstehen, indem man sie geht! (frei nach Kafka)

    Viele sind halt von klein auf an Fleich gewöhnt und fürchten ohne eine Mangelernährung.

    Meine Strategie: Nicht predigen, sondern gesund vorleben.


    Mit mildem Belächeln und Streitsucht kann ich dabei umgehen.


    Schade finde ich, dass man sich zwangsläufig sozial etwas ausgrenzt, wenn man mittags nicht zum Fleischer (hat kleine Kantine, nix Veganes) mitgeht. - Bei privaten Einladungen kann man ja ggf. was Veganes mitnehmen (immer etwas mehr - zum Kosten für andere).

    Max


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