Dienstag, 12. August 2014

Ein offener Brief an alle Eltern

Liebe Eltern,

oft sehe ich in der Statistik zu meinem Blog, dass nach "Eltern wollen vegan nicht akzeptieren", "Eltern haben Angst vor veganer Ernährung", "Wie sage ich meinen Eltern, dass ich vegan werden will", "Eltern wollen nicht, dass ich vegan lebe", "Mangelernährung vegan Eltern", "Gespräch mit Eltern vegan werden", ... gesucht wird.

Das alles macht mich immer wahnsinnig nachdenklich und auch ein Stückchen traurig. Zum einen zu wissen, dass hier ein Jugendlicher erst einmal online Hilfe sucht, anstatt ein sehr wichtiges Thema direkt mit den Eltern zu besprechen. Zum anderen, weil ich gleich an die Geschichten und Menschen außerhalb des Internets denke und mir vorstelle, wie Familien beim Abendessen sitzen und über die vegane Ernährung debattieren.

Ja, ich habe kein Kind.
Nein, ich gebe hier keine Ratschläge.
Aber ja, ich will mal eben kurz erzählen, wie das bei mir damals, mit nur acht Jahren (!), gewesen ist.

In der Schule wurden die Tische im Handarbeitsunterricht mit Zeitungen ausgelegt. Darauf abgebildet war ein Schwein - ungefähr so:

Diesen Aufkleber gibt es bei roots of compassion!

Also bin ich heim und hab meine Mama darauf angesprochen, warum denn "Schinken" auf dem Schweinepopo steht. Sie hat mir darauf hin erklärt, dass Burger, Lasagne, Bolognese, Schnitzel & Co. aus Tieren bestehen. Und es war Schluss damit. Klein-Claudi hat sofort beschlossen, dass sie das alles nicht mehr essen will. Die Antwort meiner Mama:  
"Na dann bist du ab jetzt Vegetarierin!".

Und wisst ihr was liebe Eltern da draußen? Ich wünsche JEDEM Kind von ganzem Herzen, dass diese Gespräche GENAU SO und kein bisschen anders ablaufen.
Wir haben hier die Möglichkeit aus freien Stücken zu entscheiden was wir essen - und was wir nicht essen. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Erwachsener der Brokkoli nicht leiden mag sich diesen zu Hause kocht. Warum also nicht Kindern auch die Wahl lassen?

"Eine vernünftig geplante vegane, ... Ernährung deckt den Nährstoffbedarf von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen und fördert das normale Wachstum (36, 114, 115)." (Quelle: Vebu bzw. das Positionspapier der "ADA".)

Buchtipp zum Thema: "Vegane Küche für Kinder" von Christina Kaldewey. Mit viel Text, Erfahrungsberichtne und netten, simplen Rezepten.

Vorne: Bananen-Himbeer-Eis mit Heidelbeeren und Kakaonibs

Liebe Eltern,

solltet ihr euch wirklich Sorgen machen und wissenschaftlich belegte Hintergründe erfahren wollen, warum eine vegane Ernärhung, auch für Kinder, problemlos möglich ist: Wendet euch doch bitte an Ernährungsprofis wie beispielsweise Sonja Reifenhäuser.

Falls es euch darum geht, eurem Kind einen Herzenswunsch zu erfüllen, ihr Starthilfe in Sache vegan benötigt, Sorgen haben, alles bequatschen wollen und persönlich und individuell beraten werden:
Wendet euch gerne an mich.

Sonnengrüße,
Claudi

Kommentare:

  1. Ganz toller Text, Claudi! Ich denke, es liegt in erster Linie nicht an einer irgendwie gearteten "Böswilligkeit" der Eltern, sondern an fehlender Information. Vegan = ungesund/gefährlich ist einfach noch ein sehr weit verbreiteter Irrtum, und da greift dann das Schutzbedürfnis - (fast) niemand will seinem Kind Schaden zufügen (oder ihm erlauben, sich selbst Schaden zuzufügen). Da ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig, so wie du sie hier leistest!

    Liebe Grüße nach München
    Daniel

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    1. Vielen lieben Dank Daniel, freut mich sehr wenn dir der Blogeintrag gefällt. Über deine Worte bzgl. der Aufklärungsarbeit natürlich auch :-)

      Und ja, das glaube ich auch - da haben wir noch einen langen Weg vor uns. Aber in den letzten Jahren ist auch recht viel passiert. Wenn ich an meine vegane Anfangszeit 2011 zurück denke - hossa...

      Einen schönen Abend und liebe Grüße nach FRA,
      Claudi

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  2. Ich kann mich da nur anschliessen ! Dieses Problem kommt mir leider nur zu bekannt vor und erinnere mich an die vielen Streite (wusste überhaupt nicht dass man das tatsächlich so schreibt ?) mit meinen Eltern. Allerdings ging es dabei nicht darum ob das ungesund sei, sondern vielmehr um die Umsetzbarkeit (zitat: "Das ist doch viel zu kompliziert"). Mittlerweile wird bei uns zuhause nur noch vegan gekocht. Das habe ich jedoch nie verlangt denn ich bin der Meinung dass das jeder für sich entscheiden sollte und hätte demnach auch einfach für mich kochen können. Leider sind nicht alle in der Verwandtschaft so offen und so kann es schon mal vorkommen dass eine Tante demonstrativ nichts isst oder oder...
    Da ich mittlerweile aber weder tot bin, noch noch eine schwere Mangelernährung habe gibt es auch in diesem Bereich langsam Fortschritte.

    Liebe Grüsse
    Selina

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    1. Guten Abend Selina,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Geschichte. Wie super, dass ihr daheim nur noch vegan kocht. WOW!

      Ich finde auch, dass still, leise und stressfrei das Umfeld an vegan gewöhnen viel mehr bringt, als es anderen Menschen aufzuzwängen.

      Ich hoffe wir leben alle noch lang und glücklich und gesund bestimmt sowieso ;-)

      Sonnengrüße,
      die Claudi

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  3. Bei uns geht vegan im Moment leider auch nur über Zucker... also ich mach zB. veganes Eiskonfekt, oder vegane Mousse au chocolat - die schmeckt allen und wenn ich dann sage: "das war vegan" - großes Staunen... bei Hauptgerichten ist mein Mann beratungsresistent und besteht auf sein Fleisch oder Fisch (wenngleich er gegenüber den Kindern schon geäußert hat, dass er ja weiß, dass er zuviel isst). Mein Großer Sohn ist mittlerweile soweit, dass er das isst, was ich esse - aber ab und zu dann doch noch Eis oder Pudding bei Oma, der Kleine möchte dass, was Papa isst... Mein Schwiegervater ist komplett stur und isst generell nichts, was ich gekocht oder gebacken habe - weil - das KANN JA GAR NICHT schmecken, dann brauch ich das auch nicht probieren :-( Bei veganem Essen gibt es einfach zu viel Unwissen in der Welt.... Was mich interessieren würde...was schlägst Du in Sachen B12 vor? Insbesondere bei Kindern (aber auch ich selbst) bin diesbezüglich noch ziemlich unschlüssig - irgendwie bin ich mit allen Alternativen nicht sonderlich glücklich. Habe nur gerade gesehen, dass der eine Kaba mit B12 angereichert ist - wobei ich das aufgrund des Zuckers natürlich nicht als B12 Quelle bevorzuge. LG

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    1. Hallo Sulevia,

      schau mal hier: http://claudigoesvegan.blogspot.de/2013/07/supplementierung-bei-veganer-ernahrung.html

      Bei dir ist es also genau andersrum wenn ich es richtig verstehe. Du isst vegan und der Rest der Familie sollte möglichst nachziehen? Ist ja echt lustig, weil ich das so rum von mir gar nicht kenne.

      Vielen Dank für deinen Kommentar und das Teilhabenlassen.

      Sonnengrüße,
      die Claudi

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  4. Hallo Claudi,

    ein toller Text. Ich glaube viele Eltern sind einfach unsicher oder haben Angst und die Reaktionen von außen sind sicher auch nicht hilfreich. Ich hatte jedenfalls ziemlich muffe vor den Reaktionen des Kinderarztes und bin über die Feindseligkeit so manches Bekannten ziemlich überrascht. Außerdem hat man oft das Gefühl es gibt sonst nur vegane Erwachsene. Um Erfahrungsberichte von Kindern und Jugendlichen zu finden, muss man wirklich suchen.

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    1. Hallo zurück,

      vielen Dank für den lieben Kommentar. Ich freue mich sehr, dass dieser Blogeintrag (ist echt eine Herzensgeschichte) offensichtlich so gut ankommt.

      Sonnengrüße,
      die Claudi

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  5. Hallo Claudi!
    Vielen Dank für diesen Text!
    Ich selber bin 17, seit 2 Jahren Vegetarierin und seit 2 Wochen nun auch vegan (ob für immer, weiß ich aber allerdings noch nicht).
    Jedenfalls habe ich ein riesiges Glück mit meiner Mama, die mich von Anfang an unterstützt und dank Attila Hildmann nun selber zur Vegetarierin geworden ist, die gern vegan is(s)t. Bei uns im Haushalt gibt es außer Käse und Süßigkeiten nichts tierisches mehr und gekocht wird nur vegan.
    Man sieht: Es geht auch so. Ich wünsche mir, dass so etwas bald normal ist!

    Liebste Grüße!

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    1. Hallo Anipassia,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Geschichte. Das liest sich alles sehr gut und ich freu mich riesig für dich und deine Familie.

      Deinen Wunsch teile ich natürlich <3

      Sonnengrüße,
      die Claudi

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  6. Hey :)
    Ich wünschte, dass meine Eltern das damals so leicht akzeptiert hätten... ich mochte noch nie Fleisch essen, musste aber stundenlang alleine am Küchentisch sitzen, bis mein Teller mit den verhassten Fleischstücken leer war.
    Mit 13 konnte ich mich dann endlich durchsetzen und Vegetarierin werden (nachdem ich - Asche auf mein Haupt - gedroht habe, vegan zu leben... meine Eltern haben das kleinere Übel akzeptiert, auch wenn es dann häufig einfach dasselbe gab wie bei ihnen - nur ohne das Fleischstück).
    Jetzt bin ich 20 und seit ich ausgezogen bin endlich vegan. Mittlerweile akzeptieren sie es - auch, weil ich häufig für alle koche, wenn ich da bin.

    Ich wünschte, es wäre leichter gewesen.

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  7. Hallo Nat,
    oh menno. Das klingt ja echt schlimm und tut mir sehr leid für dich. Wobei ich bei deinem "Trick" gerade ein bisserl grinsen musste. Gute Taktik finde ich ;-) Aber schade, dass so was überhaupt notwendig ist.
    Ganz viele liebe Grüße und alles Gute für das neue Jahr für dich.

    Herzlichst,
    Claudi

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