Samstag, 18. April 2015

Ein Interview mit Daniela Böhm und die Mahnwachen in München

Hallo ihr Lieben,

die wundertolle Daniela Böhm, Autorin von beispielsweise "Die sechs magischen Steine" und "Heute ist ein ganz anderer Tag", sowie Tierrechtlerin aus tiefstem Herzen, will ich euch heute, mit einem Interview, genauer vorstellen!

Copyright: Norbert Zawe

Nächste Woche stehen wieder die Mahnwachen am Münchner Schlachthof an. Eine schöne Gelegenheit, um euch gleich darauf aufmerksam zu machen.

Copyright: Norbert Zawe

Daniela und ich lernten uns 2012 kennen. 2013 haben wir dann, gemeinsam mit unseren Freundinnen Kathi und Katrin, die VEGAN SUNDAY PARTY organisiert. Aufgrund unserer Hunde und vieler Gemeinsamkeiten sehen wir uns nicht soooo oft - aber dafür dann immer umso intensiver, tiefgründiger und schöner.

Genug Blabla. Auf geht's!


Liebe Daniela,
vier deiner Bücher habe ich hier schon vorgestellt. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich hatte schon in meiner Jugend einen Hang zum Schreiben und die Tiergeschichten und Märchen von Manfred Kyber haben mich sehr beeinflusst. Ich habe immer gerne kleine Geschichten über Tiere erfunden, aber eher so lustige. So richtig begonnen habe ich dann erst 2008. Das Schreiben ist eine Leidenschaft geworden und auch mein „ Zuhause“ - dort fühle ich mich aufgehoben, ganz gleich ob es Texte, Artikel oder Bücher sind.


"Heute ist ein ganz anderer Tag" und auch "Die sechs magischen Steine" beschäftigen sich sehr mit Tierrechten. Was war für dich der ausschlaggebende Punkt, dich so sehr für die Rechte von Tieren einzusetzen?

Das hatte vor allem mit der Entscheidung für die vegane Lebensweise zu tun. Ich hatte vorher bereits fünfunddreißig Jahre vegetarisch gelebt, aus ethischen Gründen - heute, mit all dem Wissen, frage ich mich natürlich oft: "wieso hast du nicht schon früher kapiert, dass der Verzicht auf Fleisch und Fisch allein nicht ausreicht?" Die erneute und intensive Beschäftigung mit dem Thema Tierrechte durch den veganen Schritt hat mich sicher sehr in meinem Schreiben beeinflusst. Und das Bedürfnis zu handeln, etwas zu tun. Mein Vater hat immer gesagt: „Wut allein reicht nicht. Der Wut muss die Handlung folgen."


An deinen Büchern merke ich, dass dir das Schreiben sehr liegt und dein Herz spricht. Doch du hältst auch immer wieder Reden. Beispielsweise hast du auf der "Mega-Demo" gegen die Tierhaltung im Circus Krone eine sehr bewegende Rede gehalten. Meine Mama (sie war mit mir auf der Demo) schwärmt seitdem bei jeder passenden Gelegenheit von dir ;-) We viel Zeit benötigst du, um eine solche perfekte (und lange!) Rede vorzubereiten?

Ziemlich viel Zeit! So genau lässt sich das nicht sagen, aber ich mache mir bereits im Vorfeld viele Gedanken zu dem jeweiligen Thema. Ich bin auch sehr akribisch, überdenke alles oft und viel und feile manchmal stundenlang an irgendwelchen Textpassagen, bis ich endlich zufrieden bin. Das Ganze ist ein Prozess, der sich über Tage, manchmal sogar ein oder zwei Wochen hinzieht. Natürlich mit Unterbrechungen, manchmal lasse ich so eine Rede auch für zwei oder drei Tage „ruhen“.



Deine letzte Aktion fand am Ostersamstag am Odeonsplatz in München statt. Ich weiß, dass du sogar schon im BR zu sehen warst, wegen der Kälbchenhaltung im Kloster St. Ottilien. Du hast sogar schon eine Petition in Rom abgegeben. Was lässt dich am Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den Tieren so aktiv werden?

Mein Unverständnis und die Wut gegenüber einer Institution, die sich die Nächstenliebe und andere schöne Dinge auf ihre Fahnen schreibt, aber die Tiere als Mitbewohner unseres Planeten aus ihren Lehren ausschließt. Das ist natürlich vereinfacht gesagt, denn es gibt ja im Katechismus Stellen und einzelne Kapitel über die Tiere und einige lesen sich recht schön. Aber es sind insgesamt sehr wenige und im Übrigen widersprüchlich. Das habe ich auch in der Petition an den Vatikan dargelegt. Ich bin schon oft belächelt worden, was das Thema Kirche und Tiere angeht; obwohl ich nicht einmal katholisch bin. Immer wieder höre ich den Satz: „was geht mich die Kirche an?“ Ich glaube, dass die Tierrechtsbewegung hier nicht halt machen darf. Denn der Einfluss der Kirche ist nach wie vor sehr groß und würde der derzeitige Papst hergehen und sagen: „Leute, esst weniger Fleisch“, könnte das einen wahren Erdrutsch im positiven Sinne auslösen! Es gibt bereits innerhalb der Kirche viele Strömungen, die sich gegen Fleischkonsum und Tierleid aussprechen. Auch diese Institution wird eines Tages nicht mehr daran vorbeikommen, sich mit dem Thema Tierrechte auseinanderzusetzen, davon bin ich überzeugt - auch wenn es noch dauern wird.


Als ich kürzlich in den Ruhrpott gefahren bin, habe ich am Karfreitag sieben Tiertransporter gesehen. Mich macht das so wütend und traurig. Ich mach die Augen zu oder schau gleich weg. Ich lebe ja bereits vegan und kann mich dem nicht stellen. Du hingegen veranstaltest sogar Mahnwachen direkt am Schlachthof. Wie viel Respekt ich davor habe, weiß du ja. Magst du meinen Leser*innen die Aktion erklären?

Copyright: Norbert Zawe


Die Idee zu diesen Mahnwachen, bzw. zur allerersten im Juli des vergangenen Jahres, entstand aus einem Moment der tiefsten Verzweiflung. Das sind diese Augenblicke, die wir alle kennen und die du auf deiner Reise erlebt hast, wir sehen ein schreckliches Bild oder einen Tiertransporter und glauben, vor Schmerz in einen Abgrund zu stürzen. Dieser Schmerz ist oft kaum zu ertragen und die meiste Zeit müssen wir uns irgendwie schützen, denn sonst wären wir nicht lebensfähig und könnten uns nicht mehr für die Tiere einsetzen. Es sind Mahnwachen im ursprünglichen Sinne - keine Protestaktionen oder Demos; sie sind auch nur für zwei Personen angemeldet und für die erwarteten Besucher der Mahnwache. Der Fokus liegt auf den Bildern und den vielen Grablichtern für die Tiere, die dort sterben müssen. Es sind aber auch Lichter der Hoffnung, denn damit verbunden ist immer eine Spendenaktion für Lebenshöfe. Durch den stillen und zurückhaltenden Charakter erreichen wir jedes mal viele Menschen, aber auch, weil der Schlachthof in München ja quasi mitten in der Stadt liegt, da gibt es viele Passanten, ein Restaurant gleich bei der Einfahrt und im Gelände Lebensmittelgeschäfte. Nicht zu unterschätzen sind auch die Gespräche mit den Mitarbeitern des Schlachthofes. Die bleiben oft stehen und es ergibt sich ein Austausch. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem jungen Metzger. Er hatte sich ganz nachdenklich all die Bilder angesehen und mich gefragt, was es mit dieser Aktion auf sich hat. Er sagte mir, dass er das gut fände, was wir hier machen. Als ich ihn gefragt habe, ob ihm die Tiere nicht leid täten, sagte er mir, dass es am Anfang schon so war, es sich dann aber verloren hätte. Natürlich kommen auch viele abschätzende oder aggressive Kommentare, aber ich habe festgestellt, dass sich bei jeder Mahnwache etwas „bewegt“. Aufmerksamkeit, Bewusstsein schaffen, da-sein - für die Opfer; und die Hoffnung nicht aufgeben, auch wenn es an diesem Ort fast unmöglich scheint, dass es all das eines Tages nicht mehr gibt - darum geht es mir bei diesen Mahnwachen. Auch ich durchlebe dort jedes Mal Augenblicke der tiefsten Verzweiflung, in denen ich glaube, es zerreißt mich innerlich und ich nur noch weinen kann. Mit das Schlimmste sind die Rufe der Rinder, wenn sie in der Schleuse stehen und auf ihren Tod warten, es erschüttert einen durch und durch. Dazu kommt diese Hilflosigkeit, die Ohnmacht. Vielen Menschen, die von dieser Mahnwache erfahren, geht es genauso. Viele Tränen fließen da jedes Mal. Deshalb rate ich auch jedem davon ab, zu kommen und eine Kerze anzuzünden, wenn er/sie glaubt das nicht zu packen. Da gerät man sehr an die Grenzen des Ertragbaren.



Copyright: Norbert Zawe


Und wie kann ich mich, wenn ich nicht am Schlachthof dabei sein kann oder will, beteiligen?

Durch die Spendenaktion. Die Lichter des Gedenkens sind auch Lichter der Hoffnung für jene Tiere, denen ein glückliches Schicksal beschieden ist. Bei der nächsten Mahnwache, die am 23.April beginnt und dreißig Stunden dauert, werden drei Lebenshöfe begünstigt, die Barspenden vor Ort gehen an den AnimalFreedom, dem Lebenshof von Peter Zimmer und an die Kuhrettung Rhein-Berg. Oder per Überweisung an FreeAnimal e.V. Man kann natürlich auch an die anderen zwei per Überweisung spenden. (Aktion „Ein Licht der Hoffnung“)
http://www.freeanimal.de
http://animalfreedom.de/wp/
http://www.kuhrettung.de




Anm. Claudi:
Facebook Veranstaltung mit Infos zu der Mahnwache in München vom 23.-24.04.2015: https://www.facebook.com/events/744089435712574/. Drei weitere Städte sind auch dabei <3
Aalen, Braunschweig und Augsburg. Hierzu gibt es ebenfalls eine Facebook-Veranstaltung.

Und hier noch ein Video zur Ostersonntagsaktion am Odeonsplatz:


Liebe Daniela, es ist traumhaft, wie sehr du dich für die Tiere einsetzt. Ich danke dir von Herzen für dein Engagement, dein Herzblut, dein Wissen und dein Können.


Sonnengrüße,
Claudi

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