Sonntag, 24. April 2016

Leserbrief an die FAS / Wie ungesund ist Milch wirklich?

Hallo ihr Lieben,

auf Grund des Artikels "Wie ungesund ist Milch wirklich?", welcher am 03.04.2016 in der FAS erschien, habe ich einen Leserbrief geschrieben.

Diesen will ich hier gerne öffentlich mit euch teilen.

Sonnengrüße,
Claudi



Sehr geehrte Lucia Schmidt,

ich habe mich entschieden auf Ihren Artikel zu reagieren, da ich mich angegriffen und falsch verstanden fühle.

„Die Veganer“ halte ich für eine sehr verallgemeinernde und oberflächliche Bezeichnung. Weder habe ich jemals „miese Stimmung“ verbreitet, noch ein „schlechtes Gewissen“ suggeriert.
Ich konsumiere keine Fleisch-Ersatz-Produkte und habe zu Hause kein Tofu im Kühlschrank.

Zum Thema Kinder und vegane Ernährung will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn ich selbst habe keine Kinder. Allerdings kenne ich viele, seit der Schwangerschaft der Mütter, vegan lebende Kinder. Deren Ernährung scheint auf mich weder schwierig, noch mit einem großen Aufwand verbunden zu sein. Und ich bin mir sicher: Jede einzelne der veganen Mütter hat sich besser und intensiver mit der Ernährung auseinander gesetzt, als es viele omnivore Mütter tun. Im Vergleich dazu kenne ich nämlich leider auch einige Mütter, die sich während Schwangerschaft und Stillzeit fast ausschließlich von Fast Food ernährt haben. Ja, das mag ein Extrem sein. Ich will Ihnen damit lediglich zeigen: Es gibt immer zwei Seiten. Jeder Mensch sollte sich mit seinem Ernährungsstil auseinander setzen. Egal welcher es ist.

Sie erwähnen „Fermentiere Milchprodukte mit niedrigem Laktosegehalt“ als Empfehlung der Studie aus Schweden. Wo kann man diese erwerben? Ein Hinweis wäre für die nicht-vegan lebenden Leser*innen sicherlich interessant gewesen.

„Die Mischung macht's“ in Sache Kuhilch. Kann sein. Leider haben die wenigstens Menschen Anschluss an einem Berggasthof. Der Otto-Normal-Verbraucher genießt vermutlich eher drei Kaffee mit Kuhmilch, ein Stück Kuchen, ein Brot mit Käse, das Müsli mit Kuhmilch und vielleicht noch eine Lasgane am Abend. Pro Tag versteht sich. Wo bleibt hier die Mischung?

Es gibt übrigens zahlreiche pflanzliche Calciumquellen. Schade, dass sie diese nicht aufführen. Sie stellen eine gesunde und abwechslungsreiche Alternative zu Kuhmilch dar.

Sie schreiben von Diabetes und Krebs, doch mir geht es beim veganen Lebensstil nicht darum diese zu vermeiden. Meine Motivation kommt nicht aus der gesundheitlichen Ecke. Beispielsweise habe ich noch nie verstanden, weswegen Menschen mit Laktose-Intoleranz, Tabletten dagegen schlucken. Anstatt die betreffenden Lebensmittel, durch Alternativen zu ersetzen.

Bezugnehmend auf den Veganismus erwähnen Sie „Luxusfragen der Oberschicht“. Doch unsere Mutter Erde und Umwelt sollte alle „Schichten“ etwas angehen und nichts mit Luxus zu tun haben.

Nach all den gesundheitlichen Beispielen gehen sie, meines Erachtens nach viel zu, kurz auf die Umwelt ein. Leider fehlen hier Fakten wie Beispielsweise, dass eine (!) Kuh am Tag (!!) 115- 150 Liter Wasser (!!!) trinkt und ca. 70 Kilo Getreide/ Soja frisst. Für einen Liter Milch werden 1.000 Liter Wasser benötigt. 90% des weltweiten Sojaanbaus werden übrigens zur Fütterung der s.g. Nutztiere verwendet. Hierfür wird der Regenwald abgeholzt. Nicht für das Soja, welches von Menschen verzehrt wird. Falls Sie sich herzu geneauer informieren wollen, kann ich Ihnen den Film „Cowspiracy“ empfehlen.

Der Hauptgrund für mich vegan zu leben, ist der Umgang mit den Kühen. Sie führen als Beispiel die Almwiese auf und die Kuh vom Berggasthof. Ich gehe davon aus, dass Ihnen bewusst ist, dass solche Herstellung und Herkunft in keinster Weise in Relation zu setzen ist, mit der Menge, die tagtäglich in deutschen Discountern, Lebensmittelgeschäften oder Bio-Läden verkauft wird. Hierfür werden die Kühe mit nicht mal einem Jahr erstmals künstlich befruchtet. Nach der Geburt werden die Kälber innerhalb maximal zwei Tagen von ihren Müttern getrennt. Weibliche Kälbern steht das gleiche Leid wie ihren Müttern bevor. Männliche Kälber werden gemästet und später zu Kalbsfleisch verarbeitet. Nach einem Monat erfolgt die nächste Besamung der Mutterkuh. Das gleiche Schicksal nimmt seinen Lauf. Nach vier Jahren zeigt die Kuh nicht mehr genug Leistung und wird getötet. Milch ist also nicht „einfach Milch“ - wie sie in Ihrem Artikel schreiben.

Das ist mein Grund keine Kuhmilch mehr zu trinken oder Produkte mit Kuhmilch zu verzehren. Kein einziger derer, die Sie in Ihrem Artikel aufgeführt haben. Ich will nicht mein Leid vermeiden, sondern das von anderen Menschen und Tieren. Es ist falsch andere Lebewesen zu missbrauchen, zu traumatisieren, zu vergewaltigen. Ein Produkt das so entstanden ist, kann meines Erachtens für die eigene Psyche nicht gesund sein. Für diese Erkenntnis brauche ich nicht mal eine Studie – sondern lediglich mein Herz.

Mich würde interessieren, welche Milch Sie in Ihrem Alltag verzeheren? Wenn der Berggasthof mit bestimmt glücklicheren Kühen, als die eben beschriebenen es sind, nicht ums Eck liegt.

Mit freundlichen Grüße,
Claudia Renner

Autorin, Bloggerin, Beraterin für Ihren veganen Neustart.
Lebt seit über fünf Jahren, weit vor dem Trend, aus tierrechtlichen Gründen vegan.

Kommentare:

  1. Toll geschrieben! Ich stimme dir absolut zu (obwohl ich nur teilweise vegan lebe).

    "Ich will nicht mein Leid vermeiden, sondern das von anderen Menschen und Tieren."
    Für diese Erkenntnis brauche ich nicht mal eine Studie – sondern lediglich mein Herz."

    Genauso ist es <3!

    Nächtliche Grüße,
    Heike

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  2. Applaus!
    Liebe Grüße,
    Jule

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  3. Liebe Claudi,

    ich lese deine Blog schon ganz lange anonym und muss jetzt endlich mal einen Kommentar abgeben: Super Leserbrief, den ich ganz genau so unterschreiben würde! Du hast genau die richtigen Worte gefunden und mich würde es sehr interessieren, ob du darauf eine Antwort bekommst!

    Ganz liebe Grüße aus Sendling! :)
    Lena

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    1. Liebe Lena,

      das ist so herzig. Ich hab mir gedacht "Ich pack den jetzt einfach mal auf den Blog". Weil ich fürchte, dass er eh nicht abgedruckt wird. Und so stolpert vielleicht jemand drüber?

      Ich bin wirklich überwältigt von all euren lieben, tollen und unterstützenden Kommentaren hier. Danke. Danke. Danke.

      Und liebe Grüße aus Laim ;-)
      Claudi

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  4. Liebe Claudi,

    ich checke deinen Blog eigentlich jeden Tag nach neuen Einträgen und lese hier schon sehr lange mit. Mit diesem Eintrag sprichst du mir aus der Seele, vielen Dank dafür. Ich hoffe, dass ganz viele Menschen deine Antwort lesen und darüber nachdenken und vielleicht auch selbst zu recherchieren. Ganz liebe Grüße und weiter so, Elke

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    1. Vielen Dank liebe Elke für das Mitlesen, deinen Kommentar und die lieben Worte.
      Sonnengrüße von Herzen,
      Claudi

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  5. Liebe Claudi,

    ich hab den Artikel, auf den sich dein Leserbrief bezieht, gerade kurz überflogen und dann deinen Leserbrief gelesen.

    Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diese Worte zu schreiben. :-)

    Als Mutter kann ich deinen Brief dahingehend ergänzen, dass wir Eltern unseren Kindern immer unsere eigenen Vorstellungen "aufzwingen", egal wie wir sie ernähren. Wir können gar nicht anders, weil wir einfach keine Roboter sind. Unsere Kinder orientieren sich ganz automatisch an unseren Wertvorstellungen. Wann hat ein omnivor-ernährtes Kind bewusst entschieden Fleisch zu essen? Ein Baby oder Kleinkind versteht den Zusammenhang doch noch gar nicht. Bei ihm geht es einzig um den Geschmack.

    Das Fräulein Schmidt hat auch vergessen zu erwähnen, dass die "Vegane Elternvertretung aus Berlin" in ihrem Satz „Dies ist keine Diskussion über Veganismus (bei Kindern)! Warum? Darum!" das letzte Wort "Darum" verlinkt hat auf die Begründung. Klingt dann gleich gar nicht mehr so trotzig, nicht wahr? ;-)

    Seit ich den Schritt ins Vegane Leben gegangen bin, beschäftigt mich vor allem die Milch. Ich forsche gerade ein wenig über den Einfluss der Werbung auf den Erfolg der Milchindustrie. Vor allem der Trinkmilch.

    Dazu habe ich auch das Buch "Milch besser nicht" von Maria Rollinger gelesen, das ich jedem empfehlen kann, der sich da weiter informieren möchte.

    Spannend in dem Zusammenhang "Gesundheit" ist auf jeden Fall, dass noch bis 1700 die Lehrmeinung des Arztes Galen von Pergamon (200 n.Chr.) als allgemeingültig galt, der von Milch und Milchprodukten rein gar nichts hielt. Er machte die Milch für eine lange Liste an Krankheiten verantwortlich, einzig die Molke fand er als Abführmittel okay.

    Ich bin keine Ernährungswissenschaftlerin und ich lebe auch aus ethischen Gründen vegan, aber ich finde es total spannend die Milch in einem zeitlich größeren Zusammenhang zu betrachten und auch einmal die wirtschaftlichen Interessen zu beleuchten, die hinter dem sogenannten Grundnahrungsmittel stecken.

    So oder so kann ich jedenfalls deinen Leserbrief voll und ganz unterschreiben. :-)

    Alles Gute,
    Stefanie

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    1. Liebe Stefanie,

      vielen Dank für die Zeit, die du für deinen Kommentar investiert hat. Er ist eine wunderbare Ergänzung, vor allem weil du (im Gegensatz zu mir) Mutter bist. Ich hab mich sehr gefreut, als ich deine Worte heute gelesen habe.

      Alles Liebe für dich und deine Familie.

      Sonnengrüße von Herzen,
      Claudi

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  6. Genialer Leserbrief, liebe Claudi! Ich habe den Unsinn den die "Journalistin" geschrieben hat nicht mal zu Ende lesen können so sinnfrei hat die argumentiert... Bin gespannt ob du eine Antwort bekommst oder dein Brief sogar abgedruckt wird.

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    1. Liebe Tanja,

      vielen vielen Dank. Ich finde es auch heftig, dass die Kommentarfunktion im Artikel dann einfach abgestellt wird?!?

      Namasté (mei is des schee), <3
      Claudi

      P.S.: Heut in zwei Wochen geht's ab ;-)

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    2. PPS du sollst doch ins Meer statt hier surfen? ;-)

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  7. Auf den Punkt gebracht - Klasse Antwort! Gib bitte Bescheid, wenn darauf eine Antwort kommt - ich glaube nicht... :-) Beste Grüße aus Österreich!

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    1. Servus ins wunderschöne Österreich,
      vielen Dank für die lieben Worte. Gerne gebe ich Bescheid, glaube aber auch ned ;-)
      Sonnengrüße aus München,
      Claudi

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  8. Toller Leserbrief! Vielen Dank, das machen einfach zu wenige zu selten. Lebe auch seit einiger Zeit "tierversuchsfrei" sozusagen. So achte ich nicht nur auf die Ernährung, sondern kaufe ich auch meine Pflegeprodukte bei Bio Naturwelt. Bei den ganzen Vorurteilen zeigt dein Brief dem einen oder anderen Leser wohl neue Sichtweisen auf und stellt gute Argumente entgegen. Top!

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    1. Liebe Claudi,
      vielen Dank! Es ist wirklich enttäuschend, dass beim Thema vegane Ernährung selbst seriöse Zeitungen schlecht und extrem einseitig Halb- und Unwahrheiten verbreiten. Super Antwort!

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